Wenn die Leistung für einmal zweitrangig ist
Ursprünglich hatte ich vor, mit Lovis am Marathon in Hannover am 6. April 2025 teilzunehmen und danach nahtlos in die Trailsaison zu starten – mit speziellem Fokus auf den Eiger Ultra Trail im Juli. Die gesamte Vorbereitung, von den Wettkämpfen bis hin zu unseren privaten Trainingscamps, ist akribisch geplant und übersichtlich in einer Excel-Liste dokumentiert.

Nun plagen mich jedoch Beschwerden im linken Hamstring. Zugegeben, diese Probleme bestehen nicht erst seit gestern, doch da sie bisher nur geringfügig störend waren, habe ich ihnen nicht die nötige Beachtung geschenkt. Aber ich bin zuversichtlich: Noch ist nicht aller Tage Abend! Aktuell bin ich in physiotherapeutischer Behandlung und kläre die Ursache dieses hartnäckigen Schmerzes ab.
Die grosse Frage bleibt: Soll ich den Hannover-Marathon trotzdem laufen? Die Vorfreude auf das Event, die vielen anderen Läufer:innen, die schöne Strecke und das angekündigt gute Wetter ziehen mich förmlich auf Hannovers Strassen. Meine Antwort lautet: Ja, ich will – und ja, ich werde! Nach zwei entspannten Läufen der vergangenen Tage mit Lovis habe ich diesen Entschluss gefasst.
Allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung: Diesmal steht die Leistung nicht im Vordergrund. Der Lauf wird ein Trainingslauf. In meinem für mich gemütlichen Tempo ist der Schmerz zwar spürbar, aber erträglich. Sollte der Schmerz jedoch zu stark werden, nehme ich mir die Freiheit, den Marathon vorzeitig abzubrechen.
Interessant sind die inneren Stimmen, die bei meinen Überlegungen aufkamen. Bisher habe ich drei Marathons absolviert und konnte meine Zeiten von Mal zu Mal verbessern: Hamburg (3:24:31), Wien (3:20:20) und Frankfurt (3:16:12). Jetzt einen Marathon so anzugehen, dass meine Endzeit bei vier Stunden oder mehr liegen könnte, stiess zunächst auf Widerstand meines Egos. Gedanken meldeten sich und flüsterten mir zu, dass ich den Marathon lieber nicht laufen sollte – nicht nur wegen der Hamstring-Probleme, sondern auch, weil weder eine neue persönliche Bestzeit noch eine Zeit unter 3:30 möglich sein würden. Was würden wohl die Leute denken, die mir auf Strava folgen und wissen, dass ich normalerweise schneller laufe?
Aber hey, Danielle, es spielt keine Rolle! Ich laufe für mich – und dieses Mal zählt der olympische Gedanke: „Dabei sein ist alles.“ Ich möchte die mir noch unbekannte Stadt entdecken, die Stimmung während des Rennens aufsaugen und – soweit es mir möglich ist – den Lauf geniessen.
Darüber hinaus bedeutet der Marathon, dass ich weitere 42 Kilometer in den Beinen habe. Egal in welchem Tempo, es ist ein grossartiger Trainingslauf mit Blick auf mein Saison-Highlight: den Eiger Ultra Trail. Ich bin gespannt, wie es sich anfühlen wird, einen Marathon einmal mit diesem Ansatz zu laufen.
Ich werde berichten!


